Wie wird der Winter?

Zwei Indianer suchten einen Schamanen auf. Sie wollten von ihm wissen, wie der kommende Winter wird. Der Schamane machte ein großes Feuer, tanzte um dieses, warf Kräuter in die Flammen und rief die Geister zu sich.

Nach Abschluss der Zeremonie teilte er den Indianern mit:

„Ich habe gesehen, dass der kommende Winter sehr streng und kalt wird. Sammelt viel Holz, ihr werdet es brauchen! Viel, viel Holz!“

In den nächsten Tagen suchten weitere Indianer von den unterschiedlichen Stämmen den Schamanen auf. Auch ihnen gab er den Rat mit auf dem Weg: „Sammelt viel Holz!“

Als er wieder alleine war, kamen ihm doch einige Zweifel an seiner Vorhersehung. Und so rief er beim Meteorologischen Amt an: „Könnt ihr mir sagen, wie heuer der Winter wird?“

Der Meteorloge am anderen Ende der Leitung antwortete:

„Mit Sicherheit ein sehr harter Winter, denn die Indianer sammeln Holz wie die Verrückten.“

Der Sieger

Der Sieger hat immer einen Plan. Der Verlierer hat immer eine Ausrede.

Der Sieger findet für jedes Problem eine Lösung. Der Verlierer findet in jeder Lösung ein Problem.

Der Sieger vergleicht seine Leistungen mit seinen Zielen. Der Verlierer vergleicht seine Leistungen mit denen anderer Leute.

Der Sieger sagt: „Es mag schwierig sein, aber es ist möglich!“ Der Verlierer sagt: „Es ist möglich, aber es ist zu schwierig.“

Der Sieger ist immer ein Teil der Lösung. Der Verlierer ist immer ein Teil des Problems.

Es zählt allein, was Du tust!

Autor unbekannt

Das Leiden der Stachelschweine

Der bekannte Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) schrieb in seinem Buch „Parerga und Paralipomena“ folgende Fabel:

Eine Gesellschaft von Stachelschweinen drängte sich an einem kalten Wintertage recht nahe zusammen, um durch die gegenseitige Wärme sich vor dem Erfrieren zu schützen.

Jedoch bald spürten sie die gegenseitigen Stacheln, und sie entfernten sich dann wieder voneinander. Wenn nun das Bedürfnis der Wärme sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Leiden hin- und hergeworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

Das Glück ist ein Schmetterling

Es sprach der Meister zu seinen Schülern: „Das Glück ist ein Schmetterling. Jag ihm nach und er entwischt dir, setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“

„Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“ fragte jemand der Zuhörenden

„Hör auf, hinter ihm her zu sein.“

„Aber gibt es nichts, was ich tun kann?“

„Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst.“

Anthony de Mello aus „Gib deiner Seele Zeit“

Die Geschichte / Der Esel

Ein Herr kaufte einen jungen Esel und gewöhnte
ihn schon früh an die Härte des Lebens. Er
lud ihm schwere Lasten auf, ließ ihn den ganzen
Tag arbeiten und gab ihm nur das nötigste
zu fressen. Und so wurde aus dem kleinen Esel
bald ein richtiger Esel. Wenn sein Herr kam,
ging er in die Knie, neigte tief sein Haupt und
ließ sich willig jede schwere Last aufbürden,
auch wenn er manchmal fast zusammenbrach.
Andere, die das sahen, hatten Mitleid. Sie sagten:
„So ein armer Esel!“ und wollten ihm etwas
Gutes tun. Der eine wollte ihm ein Stückchen
Zucker geben, der andere ein Stück Brot,
und ein dritter wollte ihn sogar auf seine grüne
Wiese locken. Doch er zeigte ihnen, was er für
ein Esel war. Dem einen biss er in die Hand,
dem anderen trat er vors Schienbein, und dem
dritten gegenüber war er störrisch wie ein Esel.
Da sagten sie: „So ein Esel!“ und ließen ihn fortan
in Ruhe. Seinem Herrn aber fraß er aus der
Hand, und selbst wenns leeres Stroh war. Der
lobte ihn überall und sagte: „Das ist wirklich
der beste Esel, den ich je gehabt habe!“

Sprung in der Schüssel
Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere jedoch immer nur noch halb voll.
Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sagte die gesprungene Schüssel zu der alten Frau:“Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“ Die alte Frau lächelte. „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht? Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken.

Wenn du nicht genau so wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“

Der Tiger und der Fuchs

Vor langer Zeit, da sah ein Mann im Wald einen Fuchs, der alle vier Beine verloren hatte. Und er wunderte sich, dass das Tier, das keine Beute mehr jagen konnte, noch lebte. Doch dann erblickte er einen Tiger, der Wild gerissen hatte. Nachdem er sich sattgefressen hatte, überließ er den Rest seiner Beute dem beinlosen Fuchs. Andernstags ernährte Gott den Fuchs abermals mit Hilfe des Tigers. Der Mann war erstaunt über die Güte und Sorge Gottes gegenüber dem beinlosen Fuchs.
Bei sich sagte er: „Auch ich werde mich in einer gemütlichen Ecke ausruhen und den Herrn für mich sorgen lassen. Wenn ich nur Vertrauen habe, wird er mir schon das Nötige geben.“

Viele Tage vergingen, aber es geschah nichts, und der Mann saß immer noch in seiner Ecke. Er war dem Hungertod nahe. Da vernahm er eine Stimme: „Du bist auf dem falschen Weg. Folge dem Beispiel des Tigers und nimm dir nicht den behinderten Fuchs zum Vorbild!“.

Später traf der Mann auf der Straße ein kleines frierendes Mädchen. Sie zitterte in ihrem dünnen Kleid und hatte schon lange nichts mehr zu essen bekommen. Da wurde er zornig und beklagte sich bei Gott: „Wie kannst du das zulassen? Den Fuchs erhältst du am Leben, aber dieses kleine Mädchen lässt du hungern und frieren. Warum tust du nichts dagegen?“

Eine Weile sagte Gott nichts. Doch in der Nacht antwortete Gott dem Mann: „Ich habe etwas dagegen unternommen, ich habe dich geschaffen.!“

(aus Arabien)

Zen-Geschichten

Ein leidenschaftlicher Schachspieler war, als er anfing nach Befreiung zu suchen, jedesmal, wenn er eine Partie Schach verloren hatte, der Meinung, versagt zu haben. Nachdem er zwei Jahre bei einem berühmten Rabbi in die Lehre gegangen war, dachte er, er hätte versagt, wenn er gewonnen hatte.
Daraufhin wurde er drei Jahre lang Schüler eines Sufi-Weisen und lernte, daß er, wenn er verlor, sich aber wegen des Verlierens gut fühlte, versagt hatte. Immer noch nicht zufrieden, ging er vier Jahre lang in den Himalaya und lernte von einem großen Yogi, daß er, wenn er gewann, sich aber deshalb schuldig fühlte, versagt hatte. Schließlich und endlich traf er auf einen Zen-Meister. Und was passierte innerhalb weniger Wochen? Er lernte endlich, wie man die Bauern richtig einsetzt!
Marco Aldinger, „Was ist die ewige Wahrheit?“

Die einsame Insel

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Durch irgendeinen Zufall des Lebens stranden auf einer einsamen Insel:
Ein Guru, ein Psychotherapeut und ein Mensch auf der Suche nach dem
Sinn des Daseins, ein so genannter Suchender.

Die Natur hält für sie alles zum Überleben Nötige überreichlich bereit. Also kann jeder, um sich die Zeit zu vertreiben, das tun, was er eben am Besten kann. Der Guru veranstaltet jeden Morgen eine Meditationsstunde und gibt jeden Abend Darshan. Der Psychotherapeut gewährt dem Suchenden täglich eine Doppelstunde Psychotherapie, nachdem der Guru von so was nix wissen will. Der Suchende meditiert am Morgen, konsumiert zwischendurch mal seine Doppelstunde Psychotherapie und sitzt jeden Abend zu Füßen des Gurus, gemeinsam mit dem Psychotherapeuten, der für sich entschieden hat, ein wenig Erleuchtung täte ihm auch ganz gut. Und in der Zwischenzeit sucht er eben, der Suchende.

Eines Tages findet er auch etwas, nämlich eine algenbewachsene Flasche am Strand. Neugierig zieht er den Stöpsel heraus und es erscheint der Djinn, der Flaschengeist.

Der Flaschengeist verneigt sich vor ihm und sagt mit Donnerstimme: „Ehrgebietender Meister, Ihr habt mich aus dieser engen und dreckigen Flasche befreit, dafür erfülle ich drei Wünsche: einen für Euch und je einen für Eure beiden Freunde!“

Der Guru reagiert am raschesten: „Also ich will wieder zurück in meinem Ashram in Indien!“ – Schwupp, weg ist er.

Der Psychotherapeut hat einen ähnlichen Wunsch: „Also, wenn ich mir das so richtig überlege, wäre ich eigentlich auch ganz gerne wieder in meiner Praxis in Wien!“ – Schwupp, auch er verschwindet.

Der Suchende schaut ganz traurig drein und klagt: „Ach, ich armer Suchender, ich! Wie einsam werde ich doch jetzt sein, von allen meinen Freunden verlassen! Und wie gut ging es mir doch zuvor! Einen eigenen Psychotherapeuten hatte ich und sogar einen eigenen Guru! Und jetzt ist das alles vorbei! Ach, ich wünschte, meine Freunde, der Psychotherapeut und der Guru, sie wären wieder hier bei mir auf unserer kleinen Insel!“

Eine Frage der Perspektive

Sherlock Holmes und Doktor Watson gingen zusammen zum Campen. Sie verbrachten einen wundervollen Tag in der freien Natur und wanderten durch hügelreiche Landschaften. Als es dämmerte, errichteten sie ihr Zelt. Nachdem sie ein köstliches Mahl zubereitet und aufgegessen hatten, fielen beide müde in den Schlaf.

Sehr früh in der Nacht wachte Holmes auf, grunzte etwas und weckte seinen Assistenten mit einem leichten Stoß in die Rippen.
„Watson,“ sagte er. „Öffne schnell die Augen und schau hinauf zum Himmel. Was siehst du?“
Watson erwachte schlaftrunken.“Ich sehe Strne, Holmes“ antwortete er. „Unendlich viele Sterne.“
„Und was sagt dir das, Watson?“ fragte Holmes. Watson dachte für einen Augenblick nach.
„Tja Holmes, das sagt mir, dass dort draußen ungezählte Sterne und Galaxien sind und wahrscheinlich Tausende von Planeten. Ich nehme deshalb an, dass doch eine ganze Menge gegen die Theorie spricht, dass wir allein im Universum sind. Ich schau hinauf in den Himmel und fühle mich demütig angesichts dieser unendlichen Weiten. Und was sagt es dir?“
„Watson, du bist ein Narr!“ rief da Holmes. „Mir sagt es, dass jemand unser Zelt gestohlen hat!“

Elefanten verscheuchen – Paul Watzlawick

Ein Mann läuft durch die Straßen und klatscht dauernd in die Hände.
Ein Bekannter trifft ihn und fragt: „Warum klatschst du in die Hände?“
„Um die Elefanten zu verscheuchen.“
„Aber hier gibt es doch gar keine Elefanten!“
„Siehst du, es wirkt!“

Himmel und Hölle

Rabbi Sussja und Gott hatten ein Gespräch über den Unterschied zwischen Himmel und Hölle. Zur Veranschaulichung beschloss Gott dem Rabbi Himmel und Hölle zu zeigen. Zunächst gingen sie gemeinsam in die Hölle. Diese bestand aus einem Raum, in dem ein großer Tisch mit köstlich duftenden Speisen stand. Um den Tisch herum saßen Menschen, die verzweifelt und ausgehungert aussahen. Alle hatten sie einen Löffel in der Hand. Einen langen Löffel, der gerade bis zu den Schüsseln reichte. Allerdings waren die Löffel länger als die Arme und so konnten sie die köstlichen Speisen zwar abschöpfen, aber nicht zum Mund führen. Und so war das Leiden groß. Anschließend gingen beide in den Himmel. Zur Überraschung des Rabbis ähnelte sich die Situation. In einem Raum stand ein Tisch mit einem ebenso köstlich riechenden Speisen. Aber die Menschen in diesem Raum waren glücklich, sahen wohl genährt aus, lachten und scherzten. Und das, obwohl sie die gleichen langen Löffel in Händen hielten. Der Rabbi war verwirrt. Gott klärte die Situation auf: „Weißt du, Rabbi, eigentlich ist die Sache ganz einfach. Die Menschen in diesem Raum haben gelernt, sich gegenseitig zu füttern!“

Die Menschen zu nehmen wissen


Ein Mann war in einen Brunnen gefallen und hatte sich eingekeilt, als Mulla Nasrudin vorüber kam. Das Wasser stieg langsam höher, doch auf die Rufe der Helfer „Gib uns deine Hand!“ reagierte der Mann nicht. Nasrudin schob sich durch die gaffende Menge, beugte sich zu dem Mann hinunter und sagte: „Mein Freund, welchen Beruf übst du aus?“ „Ich bin Steuerprüfer“, ächzte der Mann. „In diesem Fall“, brüllte Mulla Nasrudin, „Nimm meine Hand!“ Sofort ergriff der Mann die Hand und Nasrudin zog ihn herauf in Sicherheit. Der Mulla drehte sich zu der verblüfften Menge um und sagte: „Niemals den Mann von der Steuer darum bitten, euch etwas zu geben, Ihr Schwachköpfe!“

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Es gibt eine wunderschöne Geschichte von einem blinden und einem verkrüppelten Bettler, die beide außerhalb eines Dorfes im Wald lebten.
Natürlich waren sie Konkurrenten, Feinde, denn Betteln ist ein Geschäft.
Aber eines Tages brach ein Feuer im Wald aus. Der Krüppel konnte nicht entkommen, da er sich allein nicht bewegen konnte. Er hatte Augen, um zu sehen, auf welchem Weg sie laufen konnten, um dem Feuer zu entkommen, aber was nützt einem das, wenn man keine Beine hat? Der Blinde hatte Beine und konnte sich schnell bewegen, um vor dem Feuer wegzurennen, aber wie sollte er die Stellen finden, wo das Feuer noch nicht hingekommen war?
Beide wären im Wald umgekommen, bei lebendigem Leibe verbrannt.
In dieser Notlage vergaßen sie ihre Konkurrenz und hören sofort auf zu streiten – es war die einzige Möglichkeit zu überleben.
Der Blinde nahm den Krüppel auf seine Schultern, und sie fanden den Weg aus dem Feuer heraus.
Der eine sah den Weg, und der andere bewegte sich entsprechend.
Ist es nicht eigenartig, dass wir nur dann zusammenarbeiten, wenn wir von aussen bedroht werden oder einen gemeinsamen Feind haben?
Wäre es nicht toll, wenn wir auch ohne Feuer teilen könnten?

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Den Mond schenken

Eines Nachts brach ein Dieb in die bescheidene Hütte des Zen-Meisters

Ryokan Daigu ein, die hoch oben in den Bergen lag. Er durchwühlte die

Wohnstätte des Meisters, konnte aber nichts finden, das es sich mitzunehmen

lohnte.

Als Meister Ryokan von seiner nächtlichen Wanderung zurück und zur

Tür hineinkam und den Einbrecher überraschte, sah er das enttäuschte

Gesicht des Diebes. Darauf sagte er: “Der Weg hier hinauf zu mir war

lang und beschwerlich. Ich will dich nicht mit leeren Händen gehen lasssen.

Deshalb schenke ich dir meine Kleider.”

Der Dieb war verblüfft, ergriff aber hektisch die Kleider des Meisters und

rannte Hals über Kopf davon.

Ryokan setzte sich nackt vor seine Hütte und schaute in den sternklaren

Himmel hinauf. “Der arme Mensch. Ich bedauere, dass ich ihm diesen

wunderschönen Mond nicht schenken kann.”

(aus “Was ist die ewige Wahrheit?” von M. Aldinger, 1998)

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Der Blinde und der Lahme oder Die Integration von Vernunft und Intuition

Es gibt eine alte Sufi-Geschichte:

Ein Blinder irrt orientierungslos durch den Wald. Plötzlich stolpert er über etwas am Boden und fällt der Länge nach hin. Als der Blinde auf dem Waldboden herumtastet, entdeckt er, dass er über einen Mann gefallen ist, der am Boden kauerte. Dieser Mann ist ein Lahmer, der nicht laufen kann.

Die beiden beginnen ein Gespräch miteinander und klagen sich gegenseitig ihr Schicksal. „Ich irre schon seit ich denken kann in diesem Wald herum und finde nicht wieder heraus, weil ich nicht sehen kann.“ ruft der Blinde aus. Der Lahme sagt: „Ich liege schon, seit ich denken kann, am Boden und komme nicht aus dem Wald heraus, weil ich nicht aufstehen kann.“

Und während sie sich so unterhalten, ruft der Lahme plötzlich aus: „Ich hab’s! Du nimmst mich auf den Rücken, und ich werde dir sagen, in welche Richtung du gehen musst. Zusammen können wir aus dem Wald herausfinden.“

Laut Aussage des alten Geschichtenerzählers symbolisiert der Blinde die Rationalität, der Lahme die Intuition. Auch wir werden aus dem Wald nur herausfinden, wenn wir lernen beide zusammenzubringen.

aus: Peter M. Senge: Die fünfte Disziplin, leicht geändert

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Der Schmetterling

Eine junge, stachelige Raupe träumte davon, wunderschön und frei zu sein. Doch die anderen Raupen um sie herum redeten ihr ständig ein: Man ist nun einmal das, was man ist. Wir müssen uns so annehmen, wie wir sind. Mit Haut und Haaren. Was zählt, sind alleine Fakten. Alles andere ist nur leere Träumerei! Niemand kann nun einmal aus seiner Haut!

Die junge Raupe konnte dies nicht glauben und glaubte vielmehr an ihre Träume und Wünsche. Als die alten Raupen wieder einmal der jungen die Fantastereien ausreden wollten, flog neben ihnen plötzlich ein wunderschöner Schmetterling auf …

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Das tote Pferd

Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt:
„Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“

Doch wir Manager versuchen oft andere Strategien, nach denen wir in dieser Situation handeln:

  1. Wir besorgen eine stärkere Peitsche.
  2. Wir wechseln die Reiter.
  3. Wir sagen: „So haben wir das Pferd doch immer geritten.“
  4. Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
  5. Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde
    reitet.
  6. Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt
    toter Pferde.
  7. Wir bilden eine Task Force, um das tote Pferd wiederzubeleben.
  8. Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu
    lernen.
  9. Wir stellen Vergleiche unterschiedlich toter Pferde an.
  10. Wir ändern die Kriterien, die besagen, ob ein Pferd tot ist.
  11. Wir kaufen Leute von außerhalb ein, um das tote Pferd zu
    reiten.
  12. Wir schirren mehrere tote Pferde zusammen an, damit sie schneller
    werden.
  13. Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, dass man es
    nicht noch schlagen könnte.
  14. Wir machen zusätzliche Mittel locker, um die Leistung des
    Pferdes zu erhöhen.
  15. Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es billigere Berater
    gibt, die einem sagen könnten, ob ein Pferd wirklich tot ist.
  16. Wir kaufen etwas zu, das tote Pferde schneller laufen lässt.
  17. Wir erklären, dass unser Pferd „besser, schneller und
    billiger“ tot ist.
  18. Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung
    für tote Pferde zu finden.
  19. Wir überarbeiten die Leistungsbedingungen für Pferde.
  20. Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote
    Pferde ein.

In Krisenzeiten hätte diese Weisheit folgendermassen gelautet (nachzulesen in zahlreichen Berichten alter Dakota über ihr Leben vor der Reservationszeit):

„Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab und iss es.“

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Der Adler
Ein Mann – so wird erzählt – fing sich im Wald einen jungen Adler. Er nahm ihn mit nach
Hause und steckte ihn zu seinen Hühnern in den Hühnerstall. Er gab ihm Hühnerfutter zu
fressen, obwohl er doch ein Adler war, der König der Vögel, der König der Lüfte!

Nach fünf Jahren kam einmal ein anderer Mann zu Besuch, der verstand etwas von Naturkunde.
Dem fiel der Adler auf und er sagte: „Der Vogel dort ist kein Huhn, sondern ein Adler.“ „Ja“,
sagte der Mann, „das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler
mehr, sondern ein Huhn.“ „Nein“, sagte der andere, „er ist noch immer ein Adler, denn er hat das
Herz eines Adlers und das wird ihn hoch hinauf fliegen lassen in die Lüfte“. „Nein, nein“, sagte der
Mann, „er ist jetzt ein richtiges Huhn geworden und wird niemals mehr wie ein Adler fliegen“.

Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der vogelkundige Mann nahm den Adler, hob ihn
in die Höhe und sagte beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht
dieser Erde, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler auf der Hoch gestreckten Faust
blickte sich um. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken und er sprang zu ihnen
hinunter und pickte mit.

Der naturkundige Mann gab aber noch nicht auf. Am nächsten Tag stieg er mit dem Adler am Arm
auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Adler, der du ein Adler bist, breite deine
Schwingen aus und fliege!“ Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hof erblickte,
sprang er zu ihnen hinunter und scharrte mit.

Da sagte der Mann: „Ich habe es dir ja gesagt, er ist ein Huhn und er bleibt ein Huhn.“ „Nein“, sagte
der andere, „Er ist ein Adler und er hat noch immer das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein
einziges Mal versuchen. Morgen werde ich ihn fliegen lassen.“

Am nächsten Morgen ging er mit dem Adler vor die Stadt auf einen hohen Berg. Er hob den Adler
empor und sagt zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel, nicht dieser Erde. Breite
deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler zitterte, aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige
Mann direkt in die Sonne schauen und plötzlich breitete der Adler seine Schwingen aus, erhob sich
mit dem Schrei eines Adlers in die Luft und kehrte nie wieder zurück.

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