Es gibt eine wunderschöne Geschichte von einem blinden und einem verkrüppelten Bettler, die beide außerhalb eines Dorfes im Wald lebten.
Natürlich waren sie Konkurrenten, Feinde, denn Betteln ist ein Geschäft.Aber eines Tages brach ein Feuer im Wald aus. Der Krüppel konnte nicht entkommen, da er sich allein nicht bewegen konnte. Er hatte Augen, um zu sehen, auf welchem Weg sie laufen konnten, um dem Feuer zu entkommen, aber was nützt einem das, wenn man keine Beine hat? Der Blinde hatte Beine und konnte sich schnell bewegen, um vor dem Feuer wegzurennen, aber wie sollte er die Stellen finden, wo das Feuer noch nicht hingekommen war?
Beide wären im Wald umgekommen, bei lebendigem Leibe verbrannt.
In dieser Notlage vergaßen sie ihre Konkurrenz und hören sofort auf zu streiten – es war die einzige Möglichkeit zu überleben.
Der Blinde nahm den Krüppel auf seine Schultern, und sie fanden den Weg aus dem Feuer heraus.
Der eine sah den Weg, und der andere bewegte sich entsprechend.
Ist es nicht eigenartig, dass wir nur dann zusammenarbeiten, wenn wir von aussen bedroht werden oder einen gemeinsamen Feind haben?
Wäre es nicht toll, wenn wir auch ohne Feuer teilen könnten?
Den Mond schenken
Eines Nachts brach ein Dieb in die bescheidene Hütte des Zen-Meisters
Ryokan Daigu ein, die hoch oben in den Bergen lag. Er durchwühlte die
Wohnstätte des Meisters, konnte aber nichts finden, das es sich mitzunehmen
lohnte.
Als Meister Ryokan von seiner nächtlichen Wanderung zurück und zur
Tür hineinkam und den Einbrecher überraschte, sah er das enttäuschte
Gesicht des Diebes. Darauf sagte er: “Der Weg hier hinauf zu mir war
lang und beschwerlich. Ich will dich nicht mit leeren Händen gehen lasssen.
Deshalb schenke ich dir meine Kleider.”
Der Dieb war verblüfft, ergriff aber hektisch die Kleider des Meisters und
rannte Hals über Kopf davon.
Ryokan setzte sich nackt vor seine Hütte und schaute in den sternklaren
Himmel hinauf. “Der arme Mensch. Ich bedauere, dass ich ihm diesen
wunderschönen Mond nicht schenken kann.”
(aus “Was ist die ewige Wahrheit?” von M. Aldinger, 1998)
Der Blinde und der Lahme oder Die Integration von Vernunft und Intuition
Es gibt eine alte Sufi-Geschichte:
Ein Blinder irrt orientierungslos durch den Wald. Plötzlich stolpert er über etwas am Boden und fällt der Länge nach hin. Als der Blinde auf dem Waldboden herumtastet, entdeckt er, dass er über einen Mann gefallen ist, der am Boden kauerte. Dieser Mann ist ein Lahmer, der nicht laufen kann.
Die beiden beginnen ein Gespräch miteinander und klagen sich gegenseitig ihr Schicksal. “Ich irre schon seit ich denken kann in diesem Wald herum und finde nicht wieder heraus, weil ich nicht sehen kann.” ruft der Blinde aus. Der Lahme sagt: “Ich liege schon, seit ich denken kann, am Boden und komme nicht aus dem Wald heraus, weil ich nicht aufstehen kann.”
Und während sie sich so unterhalten, ruft der Lahme plötzlich aus: “Ich hab’s! Du nimmst mich auf den Rücken, und ich werde dir sagen, in welche Richtung du gehen musst. Zusammen können wir aus dem Wald herausfinden.”
Laut Aussage des alten Geschichtenerzählers symbolisiert der Blinde die Rationalität, der Lahme die Intuition. Auch wir werden aus dem Wald nur herausfinden, wenn wir lernen beide zusammenzubringen.
aus: Peter M. Senge: Die fünfte Disziplin, leicht geändert
Der Schmetterling
Eine junge, stachelige Raupe träumte davon, wunderschön und frei zu sein. Doch die anderen Raupen um sie herum redeten ihr ständig ein: Man ist nun einmal das, was man ist. Wir müssen uns so annehmen, wie wir sind. Mit Haut und Haaren. Was zählt, sind alleine Fakten. Alles andere ist nur leere Träumerei! Niemand kann nun einmal aus seiner Haut!
Die junge Raupe konnte dies nicht glauben und glaubte vielmehr an ihre Träume und Wünsche. Als die alten Raupen wieder einmal der jungen die Fantastereien ausreden wollten, flog neben ihnen plötzlich ein wunderschöner Schmetterling auf …







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Idetrorce